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Wednesday Jul 31, 2024
Dorothee Röhrig aus der Dohnanyi-Bonhoeffer-Familie. | Susanne Richter
Wednesday Jul 31, 2024
Wednesday Jul 31, 2024
Die Journalistin Dorothee Röhrig kommt aus der berühmten Dohnanyi-Bonhoeffer-Familie. Einer Familie, in der vier Menschen als Widerstandskämpfer von den Nazis hingerichtet wurden. Was das mit Ihrer Familie, insbesondere ihrer Mutter gemacht hat, beschreibt Dorothee Röhrig in ihrem Buch: „Du wirst noch an mich denken. Liebeserklärung an eine schwierige Mutter.“ Auslöser für ihre Recherche und Auseinandersetzung war ein Foto ihrer Mutter. Der Arm der Mutter umklammert fast die damals zweijährige Dorothee. Was hat eigentlich die Beziehung zu der Mutter so kompliziert gemacht? Wer ist sie zu der Frau geworden, die sie war? Dorothee Röhrig hat sich noch einmal intensiv in die Geschichte der Familie eingearbeitet. Eine Familie, sie so stark bestimmt worden ist durch die Widerstandskämpfer aus den eigenen Reihen. Erst Jahrzehnte später wurden diese öffentlich als Helden verehrt. Zunächst galten sie vielen Menschen als Volksverräter.
Über Gefühle wurde damals nicht gesprochen, erzählt Dorothee Röhrig. Welche Angst ihre Mutter um ihre Eltern gehabt haben muss, als diese festgenommen worden waren- es gab keine Antworten. Als der Vater hingerichtet wurde, als drei weitere Familienmitglieder ermordet wurden: „Man hat funktioniert.“ Das scheint in diesen Jahren eine allgemein gültige Zustandsbeschreibung gewesen zu sein. Nicht nur für die Familien der Täter, auch für die Familien der Opfer. Dorothee Röhrig hat sich Stück für Stück aus diesem Schweigen und Verdrängen herausgearbeitet.
Mit mir redet sie über Ihre Erfahrungen mit der Mutter, aber auch ihren berühmten Verwandten den Theologen Dietrich Bonhoeffer. Es ist nicht so leicht gewesen in einer so berühmten Familie ein eigenes Standing zu haben, sagt sie.
Eine interessante Perspektive auf die deutsche Geschichte. Sie wirkt noch in die Gegenwart hinein. Hört mal rein!

Wednesday Jul 31, 2024
Judenhass | Michel Friedmann Gespräch mit Susanne Richter
Wednesday Jul 31, 2024
Wednesday Jul 31, 2024
„Judenhass“ heißt sein neues Buch. Michel Friedman ist Jurist, Philosoph, Journalist und Talkmaster. In seinem neuen Buch ist Friedman primär Mensch. Ein Mensch, der sich große Sorgen macht, dass nach dem 7. Oktober 23 der Antisemitismus auf den Straßen wieder laut geworden ist und dass die Mehrheitsgesellschaft schweigt.
Es ist Friedman anzumerken, dass ihm das Thema extrem zusetzt. Seine Tonlage ist angespannt. Wie sollte es anders sein? Ein Großteil seiner Herkunftsfamilie ist von den Nazis ermordet worden. Meine Frage, wie er sich erklärt, warum die Mehrheitsgesellschaft schweigt, gibt er an mich zurück: „Wo waren Sie?! Ich hätte Trost gebraucht.“ Ob er mich persönlich meint, frage ich, etwas kleinlaut. Es ist nicht einfach für uns miteinander warm zu werden.
Der Holocaust wirkt noch immer. Als deutsche Christin werde ich vermutlich immer der Fraktion der ehemaligen Täter*innen zugeordnet. Dabei kann ich ihn sehr gut verstehen: Seine Sorge und Wut kann ich nachfühlen. Wie kann es sein, dass die Polizei Juden und Jüdinnen bereits nahegelegt hat, keine Kippa und Davidsterne im öffentlichen Raum zu tragen? Man könne sie sonst nicht schützen, heißt es. „Das wäre das Ende des jüdischen Lebens in einem freien Land.“ Sagt Friedman. Und nicht allein das. Antisemitismus ist nicht allein ein Problem für jüdische Menschen- er ist ein Angriff auf die Freiheit von allen, auf unsere Demokratie.
Das macht Michel Friedman eindrücklich klar.

Wednesday Jul 31, 2024
Großes Thema Männerarbeit | Bruder Josef im Gespräch mit Klaus Böllert
Wednesday Jul 31, 2024
Wednesday Jul 31, 2024
Es ist das nördlichste Benediktinerkloster Deutschlands: Das Kloster Nütschau bei Bad Oldesloe in Schleswig-Holstein. Die Mönche tragen lange schwarze Kutten. So kommt mir auch Bruder Josef van Scharrel entgegen. Zur Männerarbeit kam er 25 Jahre nach „Wann ist ein Mann?“ von Herbert Grönemeyer. Da spielten auch persönliche Fragen eine Rolle. Was bedeutet denn für einen Mönch Mann-Sein, der ehelos und keusch lebt und nicht Vater werden wird? Von dieser persönlichen Frage aus kam er zu gesellschaftlichen Fragen wie fehlenden Initiationsriten (was er bedauert), dem schwächer werdenden Patriarchat (was er gut findet) bis hin zur Rede von toxischer Männlichkeit (was ihn ärgert).

Wednesday Jul 31, 2024
Glückliche Schleswig-Holsteiner | Utz Schliesky im Gespräch mit Klaus Böllert
Wednesday Jul 31, 2024
Wednesday Jul 31, 2024
Natürlich bin ich auf dem Weg zu Utz Schliesky Pater Noster gefahren. Der im Kieler Landtag ist einer der letzten in Deutschland. Oben begrüßen mich gleich einige Abgeordnete der CDU, die im Saal nebenan gleich eine Fraktionssitzung haben. So habe ich den Kieler Landtag und die Bediensteten dort schon öfter erlebt: Freundlich und nicht arrogant ob der eigenen Bedeutung. So begegnet mir auch Utz Schließky. Er ist der Direktor des Landtages, also Chef der Verwaltung. Auch er ist freundlich und dabei konzentriert, zugewandt und einer, der genau weiß, was er sagen will. Sein Credo: Man muss ändern, was man bewahren will.

Wednesday Jul 31, 2024
Wir brauchen Liebesgeschichten | Ewald Arenz im Gespräch mit Susanne Richter
Wednesday Jul 31, 2024
Wednesday Jul 31, 2024
„Alte Sorten“, „der Duft von Schokolade“, „die Liebe an miesen Tagen“: Kaum ein Buch von Ewald Arenz, das nicht zum Besteller wird. Er ist einfach ein begnadeter Erzähler. Über große Gefühle mit Leichtigkeit sprechen und ohne dass es kitschig klingt? Ewald Arenz kann das und das Publikum und auch die Buchhändler und Händlerinnen lieben ihn dafür. „Wir brauchen Liebesgeschichten“, sagt Ewald Arenz. „Liebe und auch den Glauben an Liebe muss man lernen.“ Interessant ist: Ewald Arenz ist nicht nur Schriftsteller, sondern auch Lehrer. An einem Nürnberger Gymnasium. Und zwar mit Leib und Seele. Er kommt aus einer Künstlerfamilie und sein Vater ist Pastor. Pfarrerskinder sind ja schon öfter große Kulturschaffende geworden. „Wenn ich in eine Kirche gehe, dann ist das wie heimkommen“, sagt Ewald Arenz. Und mit den biblischen Geschichten ist er aufgewachsen. Mit Gott selbst hat Ewald Arenz es nicht immer so leicht. Auf der einen Seite ist er die Liebe. Und als er das sagt, lächelt seine Stimme richtig. Auf der anderen Seite geschieht so viel Elend in der Welt. Ewald Arenz hat einiges davon selbst erlebt. Die Frage, warum so etwas geschehen kann, lässt ihn nicht los. Es bleibt ein Ringen, sagt er. Hört mal rein!

Wednesday Jul 31, 2024
Letzte Lieder | Stefan Weiller im Gespräch mit Klaus Böllert | Gott und die Welt 43
Wednesday Jul 31, 2024
Wednesday Jul 31, 2024
Vor seinen ersten Begegnungen mit Sterbenden hatte Stefan Weiller etwas Angst. Die ist nach mehreren hundert Gesprächen dem Respekt gewichen. Viele öffnen sich ihm, weil er eben nicht sofort über das Sterben sprechen will; das kommt – vielleicht – später. Stefan Weiller nach wichtigen Liedern, nach dem Soundtrack des Lebens. Und redet dann eben darüber, weil manche „immer wieder Sonntags“ nennen und manche „Schools out“. Stefan Weiller hat viel über das Sterben gelernt in den Gesprächen. Und deswegen lohnt sich auch ein Gespräch mit ihm.

Wednesday Jul 31, 2024
Wednesday Jul 31, 2024
Kirche und Bundeswehr: Wie passt das zusammen? Können wir uns als Christen für den Einsatz von Waffen aussprechen? Ein Thema, das schon immer die Gemüter erhitzt hat: Wie pazifistisch müssen Christen sein? Und wie soll die Institution Kirche damit umgehen? Bei der Frage nach Waffenlieferungen an die Ukraine und dem Ruf nach Aufrüstung der Bundeswehr ist das Thema wieder aktuell geworden. Welche Rolle spielen dabei eigentlich Geistliche, die in der Bundeswehr arbeiten? Ich spreche mit Reinhold Kötter. Er ist Militärdekan in Hamburg. Was macht er da eigentlich genau? Wie steht er zu dem Einsatz von Waffen? Was bedeutet ihm sein christlicher Glaube? Glaubt er überhaupt an Frieden?
Von Haus aus habe ich eine sehr kritische Haltung zur Bundeswehr. Als Kind bin ich mit meinen Eltern und der Kirchengemeinde oft zu Friedensdemonstrationen gegangen. Für mich war das Militär immer ein Feindbild. Im Laufe der Jahre hat sich mein Verständnis relativiert. Ich bin sogar einmal im Rahmen eines Praktikums mitgefahren zu einer „Rüstzeit“ von Offizieren und habe viele positive Erfahrungen mit den Menschen dort gemacht. Und im Ukrainekrieg habe ich mir natürlich auch die Frage gestellt, wie „Frieden schaffen ohne Waffen“ jetzt denn noch funktionieren kann. Ambivalent ist meine Haltung trotzdem. Ich mag mich nicht daran gewöhnen, dass Waffen auf Menschen gerichtet werden.
Reinhold Kötter kann unangenehme Fragen ab. Er ist sehr geduldig und echt sympathisch im Kontakt. Wirklich ein Menschenfreund mit klarer christlicher Ausrichtung und Sehnsucht nach Frieden. Hört mal rein!

Wednesday Jul 31, 2024
Wednesday Jul 31, 2024
Die Berichte von wachsendem Anti-Semitismus und Muslimfeindlichkeit haben mich erschreckt. Wie steht es um den Dialog zwischen den Religionen? Nicht in Neu-Kölln in Berlin, sondern bei uns in Schleswig-Holstein? Das wollte ich wissen und habe mich mit Fatih Mutlu getroffen, dem Vorsitzenden der Schura Schleswig-Holstein, das ist der Rat der islamischen Gemeinden. Und mit Walter Blender, Vorsitzender des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden in Schleswig-Holstein. Es ist nicht alles gut hier. Das macht mir schon das mit Kamera du Mauer geschützte jüdische Gemeindezentrum in Bad Segeberg deutlich, in dem wir uns treffen. Drinnen ist die Atmosphäre aber herzlich. Fatih Mutlu und Walter Blender haben vor Jahren gemeinsam mit den Kirchen dafür gekämpft, dass die Landesverfassung Schleswig-Holsteins einen Gottesbezug bekommt. Die Initiative war nicht erfolgreich, hat aber viel erreicht.